Kleinod Katharinenkirche

Die Katharinenkirche oder auch Käppele, wie sie liebevoll genannt wird, auf dem Friedhof Unter den Linden gelegen, ist der erste evangelische Kirchenneubau in Reutlingen nach der Reformation. Die Kirche wurde in den Jahren 1887 bis 1890 als Friedhofkapelle errichtet und ersetzte die alte Katharinenkapelle, deren Existenz bereits für das Jahr 1338 urkundlich bezeugt ist. Das Aussehen dieser aus dem Spätmittelalter stammenden Kapelle ist in zahlreichen bildlichen Darstellungen überliefert. Als sie 1887 dem von dem Stuttgarter Architekten Heinrich Dolmetsch errichteten Neubau weichen musste, fand lediglich der aus dem Jahr 1731 stammende Grabstein des Majors Johannes Jakobus Dann, der sich nach dem großen Stadtbrand von 1726 um den Wiederaufbau der Stadt verdient gemacht hatte, Eingang in die neue Katharinenkirche. Überlegungen, den Chor der alten Katharinenkapelle in den Neubau einzubeziehen, wurden nicht umgesetzt. 

Die Katharinenkirche zeichnet sich durch ihr weitgehend geschlossenes Erscheinungsbild aus, das dem ausgehenden 19. Jahrhundert verhaftet ist. Die Ausstattung stammt mit Ausnahme der Chorfenster, die während des Zweiten Weltkriegs verlorengegangen sind, noch aus der Erbauungszeit. Damit stellt die Reutlinger Katharinenkirche eines der wenigen Baudenkmale aus der Zeit des „Historismus“ dar, die weitgehend unverfälscht bis auf den heutigen Tag überliefert sind. Sogar die Schablonenmalerei im Inneren konnte im Gegensatz zu den meisten anderen Bauwerken des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit nur geringfügigen Ausbesserungen in ihrer Originalsubstanz bewahrt werden. Die überaus reiche skulpturale und ornamentale Ausgestaltung der Kirche darf, ganz im Sinne ihres Erbauers, den Anspruch auf kunstgewerbliche Originalität erheben. Die jahrzehntelang als „Schreinergotik“ diffamierte Neugotik des späten 19. Jahrhunderts ist mittlerweile als künstlerisch durchaus eigenständiger Ausdruck einer Epoche anerkannt worden.

Diese noch relativ junge Wertschätzung drückt sich in der Eintragung dieser Bauwerke in die Liste der Kulturdenkmale aus. Der damit einhergehende gesetzlich gesicherte Anspruch auf Pflege und Erhalt der Bauten erhält im Falle der Katharinenkirche angesichts der sichtbaren Schäden einen besonderen Stellenwert. Die Beschaffenheit des Untergrunds ist vor allem für die starken Verwerfungen des Fußbodenbelags verantwortlich zu machen. Dies bringt nicht zuletzt Probleme hinsichtlich der Nutzung der Katharinenkirche als Gemeindekirche mit sich - eine Funktion, die sie seit 1908 einnimmt.

Als sich die evangelische Gesamtkirchengemeinde 1999 außer Stande sah, die Mittel zur Finanzierung einer neuen Heizung aufzubringen, verstärkten sich die Diskussionen um den Erhalt der Kirche. Seitdem bemüht sich der Kirchengemeinderat der Katharinenkirche durch vielfältige „außerkirchliche“ Aktivitäten wie Ausstellungen, musikalische und künstlerische Veranstaltungen, Vorträge und sonstige Begegnungsmöglichkeiten, die Kirche einem breiteren Publikum zu öffnen und das Bewusstsein für den Wert dieses Reutlinger Kleinods zu stärken. Schon seit einiger Zeit steht die Katharinenkirche nicht nur als Hochzeitskirche, sondern auch für Trauerfeiern zur Verfügung.

Bewegt und bewegend ist es schon länger in und um die Katharinenkirche. Seit 2008 hatte sich allerdings auch das Dach der Kirche bewegt. Viele Schädlinge saßen in den vom eindringenden Wasser morschen Balken und in den Wänden, viele der Zinkrauten, die das Dach abdecken, waren beschädigt bis ganz kaputt, die Katharinenkirche drohte in ihren Festen erschüttert zu werden. Doch die Renovationsarbeiten konnten Anfang 2011 begonnen werden und wurden im Sommer 2012 abgeschlossen. 

Weiterhin gibt es in der Katharinenkirche und wird es viele weitere Aktionen rund um  die Katharinenkirche geben, denn die Katharinenkirche braucht finanzielle und ideelle Unterstützung, weil sie noch viel von ihrem Charme, von dem, was sich in ihr regt und bewegt, schenken möchte.